Die Diskussion zur Aufteilung des deutschen Strommarktes in mehrere Zonen ist in vollem Gange, verbunden mit der Hoffnung, Engpässe im Stromübertragungsnetz entlasten zu können. Im Auftrag von Agora Energiewende und in Anlehnung an das bestehende Agorameter hat das Fraunhofer IEE das „Lokale Agorameter“ aufgebaut, das die Auswirkung lokaler Strompreise in Deutschland anstelle der einheitlichen Strompreiszone quantitativ verdeutlicht.
Hierfür wurde ein Live-System entwickelt, das stündlich über 35.000 Zeitreihen als Eingangsdaten verarbeitet. Zu den Eingangsdaten gehören unter anderem Ist-Werte und 48-Stunden-Prognosen von Wetterdaten, des Stromverbrauchs sowie von Einspeisungen aus Windenergie und Photovoltaik mit einer räumlichen Auflösung von Postleitzahlen. Auch europäische Daten zu Stromerzeugung, Verbrauch und Transportkapazitäten des Netzes fließen ein. Das Lokale Agorameter berechnet auf Grundlage der Eingangsdaten stündlich die Stromflüsse durch das Übertragungsnetz, den Einsatz der konventionellen Kraftwerke und letztendlich die Strompreise an ausgewählten Knotenpunkten des deutschen Übertragungsnetzes.
Informationen zur Karte
Ob Sonne im Süden, Wind im Norden oder hohe Stromnachfrage in den Industriezentren des Westens und Südens: In Deutschland gibt es derzeit nur einen einheitlichen Strompreis an der Börse. Netzauslastungen innerhalb Deutschlands werden bei der heutigen Preisbildung an der Strombörse kaum berücksichtigt. Das Marktergebnis (Dispatch) muss daher von den Netzbetreibern nachträglich korrigiert und an die Physik des Netzes angepasst werden (Redispatch). Wird hingegen die Netzauslastung direkt bei der Preisbildung berücksichtigt, können an den Netzverknüpfungspunkten (engl. nodes) vor und hinter dem Netzengpass unterschiedliche Strompreise entstehen. Diese lokalen Preise modelliert das Lokale Agorameter für 22 Hubs (engl. für Handelszentren) in Deutschland. Diese Hubs können modellbedingt vereinfacht und stellvertretend für die etwa 450 Knotenpunkte des deutschen Übertragungsnetzes angesehen werden (nodales System) oder als Strompreiszonen (klein-zonales System). Zwischen aneinandergrenzenden Hubs werden die Strompreise interpoliert und in der Karte dargestellt.
Meldung des Fraunhofer IEE
Agorameter (aktuelle, historische sowie modellierte lokale und künftige Darstellungen des Stromsystems mit Erzeugung, Verbrauch und Preisen)
Studie „Lokale Strompreise“ – Wie die Integration der Netzrealität in den Strommarkt gelingt und Kosten senkt
Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik ist Mitglied bei House of Energy e.V.