GemeinsamWaermer: Mikrowärmenetze beschleunigen Wärmewende im nachbarschaftlichen Raum

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Pressemitteilung – Kassel, 02. Juni 2026 | Das Projekt GemeinsamWaermer soll Kommunen bei der Wärmewende unterstützen und die Umsetzung von Mikrowärmenetzen erleichtern. Am Beispiel der Stadt Kassel und des Werra-Meißner-Kreises wird ein Konzept entwickelt, das sich auf andere Kommunen übertragen lässt.

Im kürzlich gestarteten Projekt GemeinsamWaermer erarbeitet das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE in den nächsten zwei Jahren zusammen mit dem Werra-Meißner-Kreis, der Stadt Kassel, dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. (IKEM), dem Netzwerk Energiewende Jetzt sowie dem House of Energy übertragbare Konzepte für die erfolgreiche Umsetzung der kommunalen Wärmewende. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit rund 1,4 Mio. Euro gefördert.

Um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen, muss die Wärmeversorgung konsequent auf klimaneutrale Lösungen umgestellt werden. Mikrowärmenetze sind dabei neben Einzelheizungen und großskaligen Nah- und Fernwärmenetzen eine entscheidende Versorgungsoption, deren Bedeutung zunimmt. Genau hier setzt das neue Forschungs- und Transferprojekt GemeinsamWaermer an.

Mikrowärmenetze als innovative Lösung im Kleinen

Mikrowärmenetze – auch Gebäudenetze im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes – verbinden bis zu 15 Gebäude mit einer gemeinsamen Wärmeversorgung. Anders als bei klassischen Wärmenetzen handelt es sich um kleinskalige Systeme, die insbesondere für kleinere Quartiere, Dorflagen oder Bestandsgebiete geeignet sind. Holger Schülbe, Klimaschutzmanager des Werra-Meißner-Kreises, erläutert: „Trotz ihres großen Potenzials werden Mikrowärmenetze bislang nur vereinzelt umgesetzt. Gründe dafür sind fehlende Erfahrungswerte, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen sowie Unsicherheiten bei Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz. Umso mehr freuen wir uns, dass wir an dem Projekt beteiligt sind und mit guten Beispielen die Verbreitung der Mikrowärmenetze voranbringen können.“

„Die kommunale Wärmeplanung hilft uns, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern eine bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung für Kassel zu entwickeln. So machen wir die Wärmewende für alle greifbar“, freut sich Stadtklimarätin Simone Fedderke. Die Stadt bringt zudem ihre Erfahrungen aus der erprobten Quartiersarbeit (z.B. im Jungfernkopf) in das Projekt ein.

Auch bei den assoziierten Partnern den Landkreisen Kassel und Waldeck-Frankenberg werden Daten erhoben und es erfolgt ein intensiver Erfahrungsaustausch.

Blaupausen für Erfolg in der kommunalen Wärmewende

Ziel des Projektes GemeinsamWaermer ist es Kommunen, Energiegenossenschaften, Energieversorgungunternehmen und Gebäudeeigentümern passgenaue, umsetzungsorientierte Informationen zu Mikrowärmenetzen online zugänglich zu machen. Alwina Kaiser, Projektleiterin am Fraunhofer IEE ist überzeugt: „Unsere übertragbaren Konzepte für klimaneutrale Mikrowärmenetze, sollen kleinen Quartieren und ländlichen Räumen eine wirtschaftliche und effiziente Wärmeversorgung ermöglichen. Ergänzend werden Akteure vor Ort durch praxisorientierte Werkzeuge, Entscheidungshilfen, Leitfäden und BestPracticeBeispiele schrittweise handlungsfähig.“

Prof. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy unterstreicht: „Mikrowärmenetze sind ein Schlüssel für die Wärmewende im Kleinen. Jetzt gilt es, praxistaugliche Lösungen schnell in die Breite zu bringen – genau hier setzen wir mit unserem Fokus auf Wissens- und Ergebnistransfer an. Das Projekt ermöglicht uns verschiedene Akteure bei der konkreten Umsetzung zu unterstützen und die Wärmewende vor Ort zu beschleunigen.“

Breites Partnerkonsortium bündelt Kompetenzen

Die inhaltlichen Schwerpunkte des Projekts werden durch die unterschiedlichen Partner gezielt abgedeckt:

  • Analyse, Bewertung und Konzeption erneuerbarer Wärmesysteme: Das Fraunhofer IEE entwickelt als Projektleitung technische sowie techno‑ökonomische Grundlagen für Mikrowärmenetze und bringt seine umfangreiche Expertise ein.
  • Akzeptanzforschung und rechtliche, regulatorische sowie organisatorische Rahmenbedingungen: Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) entwickelt u.a. aus den lokalen Akzeptanzfaktoren eine Akzeptanz- und Kommunikationsstrategie für Kommunen. Daneben übernimmt das IKEM die Identifizierung rechtlicher Hemmnisse mit dem Ziel, durch Anpassungen der gesetzlichen Vorgaben die Umsetzung von Mikrowärmenetzen zu erleichtern. Außerdem bereitet es rechtliche Rahmenbedingungen praxisnah für unterschiedliche Betreibermodelle auf.
  • Praxis und Erprobungsräume aus kommunaler Perspektive: Die kommunalen Partner – insbesondere der WerraMeißnerKreis und die Stadt Kassel aber auch die assoziierten Kommunen, bringen Erkenntnisse aus der kommunalen Wärmeplanung und bereits umgesetzten Mikrowärmenetzen ein.
  • Zivilgesellschaftliche Beteiligung: Das Netzwerk Energiewende Jetzt e. V. stärkt die Bürger:innen‑ und Akzeptanzperspektive und beteiligt relevante Akteursgruppen.
  • Synthese, Aufbereitung und Transfer der Projektergebnisse: Das House of Energy e. V. sorgt für die Ergebnisrückkopplung mit dem Begleitkreis und die Verbreitung und Nutzung der Mikrowärmenetze in Kommunen, Netzwerken und bei weiteren Stakeholdern.

 

Workshops und ein projektbegleitender Kreis binden Kommunen, Bürger:innen, Energieversorgungsunternehmen und weitere Stakeholder gezielt ein. Der Begleitkreis setzt sich aus folgenden assoziierten Partnern zusammen: Bürger Energie Kassel & Söhre eG, Landkreis Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Viessmann Climate Solutions SE, Stadt Korbach, Deutsche Energie-Agentur GmbH, 100 prozent erneuerbar stiftung.

Förderung

Das Projekt GemeinsamWaermer wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms, Förderschwerpunkt Quartiere, Aufruf „Vom Plan zur Wende“.

 

House of Energy e.V.

Das House of Energy mit Sitz in Kassel versteht sich als Denkfabrik, die von Wirtschaft, Wissenschaft, Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie der hessischen Landesregierung ge-tragen wird. Es arbeitet transdisziplinär und unterstützt die Energiewende in Hessen konzeptionell und wissenschaftlich. Als Kompetenzzentrum, Kommunikations-, Koordinations- und Wissenstransferplattform initiiert und begleitet das House of Energy zukunftsweisende Projekte mit technologischem Schwerpunkt. www.house-of-energy.org

 

Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE)

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE forscht mit dem Ansatz „Smart Energy Systems“ seit über 35 Jahren für eine Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien – national und international. Es entwickelt Lösungen für technische und wirtschaftliche Herausforderungen, um die Versorgung zu sichern, die Kosten weiter zu senken, die Digitalisierung in der Energiewirtschaft voranzubringen und neue Geschäftsmodelle in der Energiewende zu ermöglichen. www.iee.fraunhofer.de

 

Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM)

Das IKEM ist ein gemeinnütziger Verein und unabhängiges Forschungsinstitut mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der interdisziplinären Forschung zum Klimaschutz im Spannungsverhältnis von Recht, Ökonomie und Politik. Das IKEM ist ein An-Institut der Universität Greifswald und seit 2017 als Nichtregierungsorganisation beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) anerkannt. www.ikem.de

 

Stadt Kassel

Die Stadt Kassel ist mit ca. 208.000 Einwohner:innen das Zentrum in Nordhessen und versteht sich als modernes Dienstleistungsunternehmen für seine Bürgerschaft. Im August 2019 beschloss die Stadt Kassel, gemäß der UN-Agenda 2030, möglichst bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Aufbauend auf diesem Beschluss wurde im März 2020 der Klimaschutzrat der Stadt Kassel ins Leben gerufen, um die Stadtverwaltung bei der Erreichung dieses Ziels zu beraten. Dieser verabschiedete am 29. Juni 2022 einstimmig seine Empfehlungen für eine Klimaschutzstrategie, welche den Weg zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2030 skizziert. www.kassel.de

 

Werra-Meißner-Kreis

Der Werra-Meißner-Kreis ist ein ländlich geprägter Kreis in Mittelgebirgslage mit hohem Waldanteil und meist kleinteiliger Landwirtschaft. Der Kreis hat ca. 100.000 Einwohner:innen auf ca. 1000 km² Fläche. Die 140 Dörfer und Stadtteile verteilen sich auf 8 Städte und 8 Gemeinden. Größte Stadt ist die Kreisstadt Eschwege mit ca. 20.000 Einwohner:innen. Überwiegend sind es aber eher kleine Dörfer. Die Stadt- und Ortskerne haben viele alte Gebäude, oft unter Denkmalschutz stehend (ca. 10.000 Gebäude mit Denkmalschutzbezug). Eine ideale energetische Sanierung ist meist baulich und auch finanziell schwer darstellbar. Eine gemeinsame klimaneutrale Wärmeversorgung der oft alten Fachwerkgebäude ist oft der einzige Weg, die Klimaneutralität zu erreichen. www.werra-meissner-kreis.de

 

Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. (NEWJ)

Das Netzwerk Energiewende Jetzt e.V. (NEWJ) arbeitet seit 2015 für eine Energiewende in Bürger:innenhand, dezentral und erneuerbar. Der Verein unterstützt die Gründung und Weiterentwicklung von Energiegenossenschaften mit Coaching und Beratung, Weiterbildungen und Veranstaltungen sowie gegenseitigem Support. Er stärkt die Kooperation und Vernetzung von Akteur:innen der Bürgerenergie und bietet aktuelle Informationen für vielfältige Zielgruppen zur Energiewende in Bürger:innenhand. https://netzwerk-energiewende-jetzt.de/

Kontakt

Ivonne Müller, B.A.

Presse und Öffentlichkeitsarbeit