Der EnergieSalon an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) war eine gelungene Kombination für Besucher:innen der Mitgliederversammlung des House of Energy und Vertreter:innen der Frankfurt UAS. Besonders erfreulich war, dass auch Green Energy Start-ups, die beim Projekt genesis mitmachen, dabei waren. Unter dem Motto „genesis meets Science“ boten sie mit ihren Pitches eine inspirierende Abwechslung.
Folgende Fachimpulse standen auf dem Programm:
Grüner Wasserstoff als erneuerbarer Energiespeicher – von der Forschung zur technischen Anwendung | Prof. Dr.-Ing. Enno Wagner
Grüner Wasserstoff wird oft als wegweisend für die Energiewende gesehen, da er überschüssige erneuerbare Energie langfristig speicherbar macht. Prof. Dr.-Ing. Enno Wagner, Professor für Mechatronische Konstruktion und Technische Mechanik an der Frankfurt UAS, arbeitet daran, die Lücke zwischen Forschung und praktischer Anwendung zu schließen. Sein Team entwickelt in einem von der hessischen Landesregierung geförderten Projekt kostengünstige Elektrolyse- und Kompressionssysteme, die Wasserstoff aus Solarstrom erzeugen, unter Druck speichern und für Haushalte oder kleine Betriebe nutzbar machen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wasserstoff ist emissionsfrei, vielseitig einsetzbar und ermöglicht eine saisonale Speicherung, die Batterien nicht leisten können. Herausforderungen bestehen jedoch in hohen Investitionskosten, der Effizienz der Elektrolyse, der sicheren Speicherung sowie dem Aufbau einer geeigneten Infrastruktur. Wagners Ansatz zielt darauf ab, diese Hürden durch modulare, dezentrale Lösungen zu überwinden und so die Nutzung von grünem Wasserstoff im Alltag zu etablieren.
Biomethan aus Abfallstoffen: Herausforderungen und Lösungen am Bsp. von Adsorptionsanwendungen | Prof. Dr.-Ing. Niklas Döring
Prof. Dr.-Ing. Niklas Döring von der Frankfurt UAS erforscht in seiner Forschungsgruppe ERPI (Energie- und Ressourceneffizienz in der Prozessindustrie) die Nutzung von Biomethan aus organischen Abfallstoffen – unter anderem durch den Einsatz moderner Adsorptionsverfahren. In seinem verfahrenstechnischen Technikum werden Druckwechsel- (PSA) und Temperaturwechsel-Adsorption (TSA) experimentell untersucht, um Biomethan wirksam von unerwünschten Komponenten wie CO₂ und anderen Begleitgasen zu trennen. Ein zentrales Ziel ist, effiziente und energieoptimierte Adsorptionsprozesse zu entwickeln. Dazu kommen selbst entwickelte mechanistische, d.h. physikalisch begründete Modelle zum Einsatz, welche die Ad- und Desorptionskinetiken und das thermodynamische Gleichgewicht beschreiben und so Aussagen über den industriellen Prozess ermöglichen. Die Herausforderung liegt in der effizienten Separation bei gleichzeitig hoher Ausbeute an Produkt, niedriger Energieaufnahme und gleichzeitig geringen Investitionskosten.
Learning from the Past: Suffizienzstrategien in Gebäuden | Prof. Anja Willmann
Prof. Anja Willmann, Professorin für Energiedesign und Simulation an der Frankfurt UAS, analysierte in ihrem Vortrag „Learning from the Past: Suffizienzstrategien in Gebäuden“ traditionelle und passive Bauweisen mit dem Blick darauf, wie frühere Generationen durch kluge Materialwahl, baukulturelle Gestaltung und bauliche Pufferzonen effizient mit Klima und Ressourcen umgingen. Sie plädierte dafür, diese historisch bewährten Strategien – von natürlichen Lüftungssystemen über solare Ausrichtung bis zu regionalen Baustoffen – in zeitgemäße Architekturen zu integrieren, um den Energiebedarf nachhaltig zu senken.
Material + Form: Gestaltungspotentiale organischer PV-Bauteile | Prof. Dr.-Ing. Timo Carl
Prof. Dr.-Ing. Timo Carl von der Frankfurt University of Applied Sciences erforscht die Schnittstelle von Materialwissenschaft, Fertigungsprozessen und Design im Kontext organischer Photovoltaik (OPV). Der Forschungsansatz zielt darauf ab, die spezifischen Eigenschaften organischer Solarzellen – insbesondere Flexibilität, Transparenz und geringes Gewicht – als gestalterische und ressourcenschonende Potenziale systematisch nutzbar zu machen.
Durch die Kombination experimenteller Materialuntersuchungen mit algorithmischer Optimierung können OPV-Module in räumlich ausgesteifte, transparente Trägersysteme integriert werden. Eine durchgängige digitale Prozesskette ermöglicht dabei eine individualisierbare, qualitativ hochwertige Gestaltung dieser Energiebauteile bei gleichzeitig minimalem Primärenergiebedarf.
Hinzu kamen innovative Pitches von Studierenden und Start-ups aus dem Projekt genesis, in welchem das House of Energy hessische Green Energy Start-ups unterstützt:
- Solar Loops| Lisa Bergthold
- Bewertung von Biogasaufbereitungsprozessen: Eine vollautomatisierte Adsorptionsanlage im Labormaßstab | Yaryna Vorobets
- SUVs mit Brennstoffzellen- und Batterieantriebe: Ein Vergleich der Lebenszyklusemissionen | Julius Hollerith
- Revolutionärer Energiespeicher, der grünen Wasserstoff sicher, verlustarm und kostengünstig in Eisenpulver bindet | Circular Metal Energy | genesis-Start-up
In der Diskussion „Energie neu denken – Nachhaltige Energiesysteme im Spannungsfeld von Innovation, Praxis und Regulierung“ waren folgende Expert:innen vertreten:
- Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitalisierung und Innovation
- Präsident Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Präsident Frankfurt UAS
- Dr.-Ing. Sanaa Wendling, Referentin für nachhaltiges Energiemanagement und Bauen, Stabsstelle Nachhaltigkeit, Frankfurt UAS
- Dr. Falko Marx, Circular Metal Energy
Dr. Marx, Gründer des Start-ups Circular Metal Energy, machte deutlich, dass die häufig wechselnden regulatorischen Vorgaben die praktische Umsetzung erheblich erschweren. Unter solchen Bedingungen seien wegweisende Innovationsentscheidungen kaum realisierbar, da Planungssicherheit fehle und Investitionen mit hohen Risiken verbunden seien.
Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus hat selbst einmal ein Start-up gegründet und möchte an der Schnittstelle zur digitalen Transformation unterstützen. Sie verwies auf die Datenbank LIDIA, in der digitale Innovationen aus Hessen zu finden sind und auch Förderprojekte dargestellt werden. Außerdem erwähnte sie das Zentrum für angewandtes Quantencomputing (ZAQC) der Fraunhofer-Gesellschaft IGD. Die Initiative unterstützt Forschung und Unternehmen, komplexe Fragestellungen in Schlüsselbereichen wie Materialwissenschaften, Chemie und Cybersicherheit mit KI zu lösen und das Potenzial von Quantencomputern praktisch nutzbar zu machen.
Besonders hervorgehoben wurde, dass die Digitalwirtschaft in Hessen die Pharmabrache in den letzten Jahren im Umsatz bereits überholt hat.
Dr. Sanaa Wendling erläuterte auf die Frage ‚Mit welcher Strategie können wir in Hessen Klimaneutralität erreichen?‘ drei zentrale Handlungsfelder: Minimieren, Substituieren und Kompensieren. Sie empfahl, diese in einer ganzheitlichen eigenen Klimastrategie umzusetzen, die klare Zwischen- und Endziele definiert, gesetzlich vorgeschriebene sowie wirtschaftlich empfohlene Maßnahmen priorisiert und idealerweise in ein Managementsystem integriert ist.
Auf die Frage, wie sich die unterschiedlichen Perspektiven aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik miteinander vereinen lassen, betonte Ministerin Sinemus die Bedeutung eines offenen Dialogs. Sie hob hervor, dass es essenziell sei, Raum für verschiedene Sichtweisen zu schaffen und ressortübergreifend zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Wir danken unserem Gastgeber, der Frankfurt University of Applied Sciences, ihrem Präsidenten Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke und der Bereichsleiterin für Transfer und Start-ups Annette Funke, für die Moderation und Organisation.