Diskussion um die Kraftwerksstrategie – Redispatch zu Gast beim Forum EnergieCluster!

Wie sind die aktuellen Entwicklungen in Energiewirtschaft und Klimapolitik einzuordnen? Darüber diskutierte das Forum EnergieCluster bei seinem aktuellen Netzwerktreffen nach.

Es hat fast schon Tradition, dass die Energiewende-Innovationscluster am Rande der Eworld24 zusammenkommen. Diesmal bereicherten Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft – vom Energieversorger über den Finanzdienstleister bis zum Startup – die Runde.

Ein großer Dank an Serafin von Roon und Philipp Hench, den Machern des Energienachrichten-Podcasts Redispatch, die uns hervorragende Einblicke in aktuelle Entwicklungen gaben, sowie an Anne Buers vom Messeveranstalter con|energy für die Unterstützung und das Grußwort!

Wir schauten auf diese Themen:

  • Blick auf die Preise: Strom gesunken, Gas gesunken, CO2 gesunken;
  • Klimaschutzverträge (CfD) durch EU beihilferechtlich genehmigt;
  • 24 weitere deutsche IPCEI-Wasserstoffprojekte durch EU gefördert;
  • Löschung der CO2-Zertifikate aus dem Kohleausstieg beantragt;
  • Studie zu Wirkmechanismen des ETS 2 erschienen – CO2-Preis wird ab 2027 steigen;
  • Einigung in der Bundesregierung zur Kraftwerksstrategie erzielt;
  • Zusätzliches Klimaziel nach 2040 von EU-Kommission vorgeschlagen;
  • Europäische Carbon Management Strategie veröffentlicht.

In der anschließenden Diskussion wurden schwerpunktmäßig die Kraftwerksstrategie thematisiert. Mit dem Kohleausstieg benötigen wir Backupkraftwerke. Gaskraftwerke sind flexibel einsetzbar und relativ günstig. Die Kraftwerksstrategie wird benötigt, da sich Gaskraftwerke derzeit am Markt nicht rechnen. Die vorgesehenen 10 Gigawatt (GW) werden noch nicht ausreichen. Derzeit liegt die Jahreshöchstlast bei 80 GW und wird mit der angestrebten Elektrifizierung auf 100 GW ansteigen.

Interessant ist die McKinsey -Studie Zukunftspfad Stromversorgung – Perspektiven zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Energiewende in Deutschland bis 2035. Der darin skizzierte Pfad sieht im Vergleich zum aktuellen Planungsstand einen etwas geringeren Ausbau der Kapazitäten zur Stromgewinnung aus erneuerbaren Quellen vor. Stattdessen würden mehr moderne, wasserstofffähige Gaskraftwerke (+50 GW statt +9 GW bis 2035) insbesondere im Süden Deutschlands entstehen, wo der Strombedarf besonders hoch ist. Es wird mit einer leichteren Umsetzbarkeit argumentiert, weil der Pfad stärker auf die Nutzung und Optimierung bestehender Infrastruktur als auf Neubau setzt.

Ergebnisse unserer Diskussion zur Kraftwerksstrategie:

  • Mehr wasserstofffähige Gaskraftwerke bei einem etwas weniger schnellen Windenergie- und Stromnetzausbau könnte zu einer besseren Akzeptanz für die Transformation für eine schnelle Energiewende führen. Bis 2035 wäre davon auszugehen, dass diese Reservekraftwerke mit Erdgas betrieben werden. Danach wäre Wasserstoff großmaßstäbig zu importieren.
  • Klimaschutz erfordert, global zu denken. Die Länder, von denen wir Wasserstoff importieren möchten, müssen zugleich die Möglichkeit haben, ihre eigene Energieversorgung zu dekarbonisieren (Stichwort Elektrifizierung), um den eigenen Bedarf an fossilen Energieträgern reduzieren zu können.
  • Wasserstoff-Import bedeutet indirekt einen Wasser-Export aus Ländern, die teils zunehmend unter Wasserarmut leiden, wie Nordafrika (siehe dazu Weblink unten).
  • Reservekraftwerke werden vorwiegend im Winter benötigt. Es besteht Zeitgleichheit mit einem hohen Wärmebedarf in Ballungsräumen. Dies spricht für Kraft-Wärme-Kopplung.
  • Die Marktmechanismen sind an die neuen Marktrealitäten anzupassen (Stichworte: Merit Order, Netzentgelte). Wenn Wasserstoff in Reservekraftwerken eingesetzt werden soll, benötigen wir einen anderen Preisbildungsmechanismus, damit der Strom bezahlbar bleibt.
  • Die für die Versorgungssicherheit unabdingbare Netzstabilität ist jederzeit zu gewährleisten, dies gilt auch für ein Stromsystem mit sehr hohen Anteilen erneuerbaren Quellen und wenigen rotierenden Massen (siehe dazu Weblink unten).
  • Im europäische Verbund könnten die Grenzkuppelstellen vergrößert und so ein größerer Energie- und Leistungsaustausch ermöglicht werden.
  • Der Bedarf an Reservekraftwerken reduziert sich mit dem Bestand an Speichern im Gesamtsystem.
  • Die Kosten der Kraftwerksstrategie zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit mit bis zu 1 ct/kWh werden als vertretbar eingeschätzt.

 

Hintergrundinformationen und Studien:

 

Kontakt

Dipl.-Landsch.-ökol. Dirk Filzek

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