DISCO-Projekttreffen in Dublin: Fokus auf innovative Fernwärmelösungen

Gruppenbild DISCO-StudyVisit in Dublin

Am 22. und 23. April 2026 fand in Dublin (Irland) das dritte internationale Projekttreffen des Interreg-Europe-Projekts DISCO statt. Ziel des Projekts ist es, die Nutzung von Abwärme in lokalen Fernwärmesystemen europaweit voranzutreiben. Im Mittelpunkt des Treffens standen insbesondere technologische Ansätze und deren praktische Umsetzung.

Fernwärme als Schlüssel zur Dekarbonisierung

Eröffnet wurde das Treffen mit einer Keynote von Janne Kerttula, Präsident von Euroheat & Power. Er unterstrich die zentrale Rolle der Fernwärme als Rückgrat der europäischen Dekarbonisierung. Besonders betonte er die Bedeutung der Sektorkopplung, etwa durch Power-to-Heat-Lösungen.

Als Beispiel stellte er ein Projekt von Microsoft und dem Energieversorger Fortum vor: In der finnischen Region Espoo wird die Abwärme großer Rechenzentren genutzt und deckt bereits rund 40 % des lokalen Wärmebedarfs. Dieses Modell verdeutlicht das enorme Potenzial der Abwärmenutzung für eine nachhaltige Energieversorgung.

Good Practices als Motor für Wissenstransfer

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den sogenannten Good Practices, einem zentralen Bestandteil von Interreg Europe. Dabei handelt es sich um erfolgreiche regionale Projekte und Maßnahmen zur Nutzung von Abwärme, die als Inspiration für andere Regionen dienen.

Die gesammelten Beispiele werden auf der Policy Learning Platform veröffentlicht und bilden eine wichtige Grundlage für den internationalen Austausch und die Weiterentwicklung von Lösungen im Projektverbund.

Fachlicher Austausch und deutsche Beteiligung

Am ersten Tag folgten Fachvorträge, Diskussionen und Workshops zu technischen Fragestellungen rund um Fernwärmesysteme. Auch deutsche Akteure waren vertreten: Expertinnen und Experten der LandesEnergieAgentur Hessen (LEA Hessen) sowie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) brachten ihre Erfahrungen ein und profitierten gleichzeitig vom Austausch mit internationalen Partnern.

Study Visit: Abwärmenutzung in der Praxis

Ein besonderes Highlight war am zweiten Tag der Besuch des Heat Works Energy Centre in Tallaght. Dort wird die Abwärme eines nahegelegenen Amazon-Rechenzentrums in ein lokales Wärmenetz eingespeist.

Versorgt werden unter anderem Gebäude der öffentlichen Verwaltung sowie der Campus der TU Dublin. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, künftig eine neue Wohnsiedlung mit über 3.000 Einwohnerinnen und Einwohnern anzuschließen. Es handelt sich um das erste Projekt dieser Art in Irland und ein wegweisendes Beispiel für die Nutzung von Rechenzentrumsabwärme.

Impulse für die Projektpartner

Das Projekttreffen machte deutlich, wie vielfältig und fortgeschritten die technischen Lösungen im Bereich der Abwärmenutzung bereits sind. Christian Engers, Projektmanager im House of Energy, fasst die Eindrücke zusammen:
„Es ist sehr spannend, die unterschiedlichen Good Practices aus den anderen Ländern kennenzulernen und zu überlegen, welche Ansätze sich auf unsere Region übertragen lassen. Besonders wertvoll ist der direkte Einblick vor Ort im Rahmen des Study Visits. Auch die aktive Beteiligung deutscher Stakeholder ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Projekt.“

13.05.2026

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Christian Engers, M.A.

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